Erfolgsfaktor Vielfalt: Warum es hierbei nicht (nur) um Ethik, sondern um Profitabilitätszuwachs geht!

Wer Führungs- oder Personalverantwortung hat, sollte sich dringend mit Diversität beschäftigen. Nicht nur aus ethischen, sondern aus sehr real wirtschaftlichen Gründen!

Über den Wert von Unterschiedlichkeit in Unternehmen

Anfang Juli gab ich zwei Seminare für Führungskräfte. In dem einem war eine Frau vertreten. In dem zweiten gar keine. Passend zu der Teilnehmendenmonotonie dieser Seminare ist auch die Statistik in der aktuellen Brandeins Ausgabe (07/2019, „Komplexität“): 105 von 160 deutschen Börsenunternehmen haben keine Frau im Vorstand. Von diesen 105 Unternehmen haben 53 auch nicht vor, daran bis Ende 2021 etwas zu ändern. Diese Zahlen und Aussagen langweilen Sie? Kann ich verstehen, mich langweilen sie auch. Aber die Wirkung, die langweilt mich keineswegs und ich empfehle Ihnen, sofern Sie Führungs- oder Personalverantwortung haben, sich dringend mit dem Thema Diversität zu beschäftigen. Und zwar (nicht nur) aus ethischen Gründen. Sondern aus sehr real wirtschaftlichen!

Ja, die Zahlen sind erschreckend. Im Jahr 2019, in einer der fortschrittlichsten Gesellschaften der Welt, haben viele Verantwortliche leider immer noch nicht begriffen, welchen Wert Diversität für ihr Unternehmen haben kann. Egal ob Altersdiversität, Genderdiversität, kulturelle Diversität oder Bildungsdiversität: Unterschiedlichkeit reißt Denkmauern ein und erweitert den Handlungsspielraum von Mitarbeitenden – und damit deren Produktivität.

McKinsey-Studie bestätigt den Wert von Diversität

Zu diesem Schluss kommt auch die McKinsey-Studie „Delivering through Diversity“ (Leistung durch Vielfalt) von 2018. In der Pressemitteilung zur Studie heißt es: „Unternehmen, die sich durch einen hohen Grad an Diversität auszeichnen, haben eine größere Wahrscheinlichkeit, überdurchschnittlich profitabel zu sein. Besonders groß ist dieser Zusammenhang beim Frauenanteil im Topmanagement (Vorstand plus zwei bis drei Ebenen darunter).“ Diejenigen Unternehmen, deren ersten drei Management-Ebenen sehr heterogen zusammengesetzt sind, performen bis zu 21 Prozent stärker, als die Unternehmen, deren Manager nur aus Männern zusammengesetzt ist. Und? Langweilen Sie diese Zahlen weiterhin? Bei Unternehmen, dessen Manager unterschiedliche kulturelle Hintergründe haben, steigt die Wahrscheinlichkeit, überdurchschnittlich profitabel zu sein, sogar um 33 Prozent!

Die Korrelation zwischen Vielfalt und Business Performance ist nicht mehr von der Hand zu weisen. Julia Sperling, McKinsey-Partnerin in Frankfurt, sagt dazu: „Die Förderung von Talenten mit unterschiedlichen Hintergründen, Männer wie Frauen, unterschiedliche Ethnien und wissenschaftliche Hintergründe, ist sowohl eine Frage der Gerechtigkeit als auch eine Business-Priorität“. Sperling spricht sich für eine objektive Bewertung von „High Potential“ Kandidierenden aus, die sich nicht von Hautfarbe oder Geschlecht beeinflussen lässt – sondern auf datengestützten People Analytics basiert.

Unternehmen, traut Euch!

Auch bei meiner Arbeit mit Führungskräften fällt mir immer wieder auf: Heterogen zusammengesetzte (Führungs-) Teams haben oftmals breitere Denkmuster, brechen öfter aus ihren Komfortzonen aus und sind offener für neues, unbekanntes Terrain. Der kreative und produktive Output ist meiner Erfahrung nach wesentlich höher bei Teammitgliedern, die einander nicht ähneln, sondern sich aufgrund von Vielfalt ergänzen. Homogene Führungsteams folgen in Diskussionsrunden eher den ihnen bekannten Regeln – den Führungskräften fehlt oftmals der Mut in andere Richtungen zu denken und entsprechend zu handeln.

Ich möchte alle Verantwortlichen in Unternehmen hiermit zu mehr Mut auffordern: Traut Euch! Besetzt Eure Management-Etagen mit den unterschiedlichsten Leuten. Das ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch eine Frage des Geschäftserfolgs. Wer noch mehr Produktivität und Profitabilität aus dem Geschäft ziehen möchte, sollte sich von homogenen Teams weitestgehend verabschieden und die Vielfalt als messbaren Erfolgsfaktor nutzen. Ist dieser Schritt getan, begrüße ich jedes Unternehmen mit einem (zwinkernden und dennoch ernst gemeinten): „Herzlich Willkommen im 21. Jahrhundert!“.

Wie sieht es in Ihrem Unternehmen aus?

Mich interessiert, was die LeserInnen dieses Beitrages zu dem Thema Leistung durch Vielfalt denken. Wie ist das Management in Ihrem Unternehmen zusammengesetzt? Haben Sie den Verdacht, dass Männer bei Beförderungen bevorzugt werden? Oder dass es Frauen einfach schwerer haben, sich in männerdominierten Bereichen durchzubeißen? Erkennen Sie einen Zusammenhang zwischen Vielfalt und hoher Performance? Wie erleben Sie die Diversität in Ihrem Unternehmen?

Ich freue mich auf Ihre Kommentare und Anregungen.

Dieser Artikel ist zuerst entschieden in der Xing-Insider-Artikel-Sammlung von Nele Kreyßig am 16. Juli 2019