Wie Persönlichkeit entsteht

Wer sich selbst versteht, kann andere besser verstehen. Ein sehr zeitgemäßes Modell für ein besseres Verständnis persönlicher Eigenschaften und Verhaltensweisen stammt von dem US-Psychologen Dan McAdams. Er beschäftigt sich mit der Frage, welche Einflüsse die Persönlichkeit eines Menschen formen. Was ist dafür verantwortlich, dass wir so urteilen, fühlen, handeln, wie wir es tun? McAdams hat zusammen mit einem Forscherteam das Modell der „New Big Five“ entwickelt, mit drei zentralen Säulen und „Natur“ und „Kultur“ als gegenüberliegenden Polen.

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In diesem Video erklärt Nele das New Big Five – Modell.

Traits (Persönlichkeitsdisposition)

Um mit der linken Säule, ganz nah bei der Natur, also den Genen, zu beginnen: Wir alle kommen mit bestimmten genetischen Veranlagungen auf die Welt, die nicht nur unsere Körpergröße, Augen- oder Haarfarbe betreffen, sondern auch bestimmte Talente, Motive (wie z. B. das Streben nach Kontakt und/oder Distanz, nach körperlicher Bewegung und/oder Entspannung, nach Wagnis und/oder Vorsicht) (mehr dazu auf diesem Blogbeitrag „Was treibt dich an?“)  und verschieden ausgeprägte Intelligenzen, zum Beispiel logisch-mathematisches Denken, räumliches Vorstellungsvermögen oder sprachliche Intelligenz. Wissenschaftler sprechen von genetischen „Dispositionen“, in diesem Modell “Traits” genannt, das heißt von Anlagen, die relativ stabil sind (sie verändern sich kaum im Laufe eines Lebens) und sich entfalten, wenn sie auf geeignete Umweltbedingungen treffen. Die Umwelt (Kultur), in der wir uns aufhalten, stellt uns unterschiedliche Entwicklungsmöglichkeiten zur Verfügung, verändert jedoch in der Regel nicht die Veranlagung.

PACs (personal action constructs)

In der mittleren Säule, den PAC (personal action constructs), treffen Natur und Kultur aufeinander. Im Laufe unseres Aufwachsens lernen wir, wie wir uns in der Welt am besten zurechtfinden. Wir entwickeln Verhaltensmuster/ Handlungskonstrukte und festigen jene, mit denen wir bereits erfolgreich waren – was auch immer „erfolgreich“ für die Einzelnen bedeutet. Meist geht es in der Kindheit bei „Erfolg“ um das Erhalten bzw. die Maximierung von Liebe und Zugehörigkeit. Ein Kind lernt so beispielsweise, dass es geliebt wird, wenn es etwas leistet, oder dass Konflikte zu Hause durch Schweigen „gelöst“ werden. Wir eignen uns Wertesysteme an, die unserem Verhalten als Orientierung dienen, und suchen uns Mitmenschen, mit denen wir eine Werteschnittmenge spüren. Wir lernen Routinen, die uns sicher, gut und energieeffizient durch den Alltag manövrieren. Dazu gehören auch Strategien, wie Ziele erreicht oder überhaupt gesteckt werden oder wie Kontakte angebahnt, aufrechterhalten und abgebrochen werden.

Life stories

Zusätzlich prägen die tagtäglichen Erfahrungen, die Life stories, unsere Persönlichkeit – das ist die rechte Säule, die ganz nah bei der Kultur angesiedelt ist. Einen großen Einfluss haben dabei die sogenannten „prägenden Jahre“, die Zeit von der frühen Kindheit bis zu einem Alter von etwa 15 Jahren. In dieser Zeit wirken sich unsere Erziehung, unsere Erlebnisse und Geschehnisse im sozialen Umfeld sowie weltpolitische und gesellschaftliche Ereignisse stark auf unsere Persönlichkeit aus. Doch auch nach den prägenden Jahren hört unsere Persönlichkeit nicht auf, sich zu verändern und zu entwickeln, denn auch weitere Erfahrungen, die ein Mensch im Laufe seines Lebens sammelt, beeinflussen unsere Verhaltensmuster und damit unsere Persönlichkeit.